
Gestatten: Mein Name ist Rico …….
Geboren wurde ich als verspäteter Nikolaus 1996 an der Ostseeküste. Kaum konnte ich laufen und mich einigermaßen orientieren kam eine kleine Familie aus dem Odenwald angereist und holte mich nach „Koischbach“. Hier verbrachte ich dann nach schneller Eingewöhnungszeit zusammen mit dem kleinen Patrick ein schönes, aber recht gemütliches Jahr. Wir wohnten in einer Doppelhaushälfte, wo ich nach Kräften half, den Garten anzulegen, was meinem hellen Fell manch interessante Note gab, aber mein Frauchen nicht so begeisterte. Die meinte dann auch, dass jeder Hund Gehorsam braucht und marschierte regelmäßig mit mir auf den Hundeplatz, wo ich dann mit einem Jahr schon die Begleithundeprüfung ablegte.
Aber dann fiel ihr eine Zeitung in die Hände. Dort wurde über eine Rettungshundestaffel in Babenhausen berichtet und auch, dass eben diese Staffel noch Nachwuchs sucht……
Mein Gott, was hätte ich für ein ruhiges Leben haben können, aber nein, wir sind dann zum Tag der offenen Tür dieser Hundestaffel gefahren und haben zusammen mit anderen 11 Neulingen erfahren, was die Vierbeiner, die dort Diensthunde genannt werden, alles können und die Ausbilderin Judith hat meinem Frauchen weissgemacht, dass die Hunde dabei auch noch ganz viel Spaß haben. Haha!!
Aber mich fragte ja keiner und so sind wir dann regelmäßig jedes Wochenende und übrigens als einzig Übriggebliebene dieser vielen Interessierten, in den Wald gefahren. Na ja, es war ganz nett, aber gebraucht habe ich das wirklich nicht.
Genauso habe ich mich dann auch benommen. Ich habe zugeguckt, wenn sie mit mir spielen wollten und Frauchen suchen wollte ich auch nicht so recht, denn den tieferen Sinn darin konnte ich einfach nicht erkennen. Stoisch wurde jedes Wochenende eine Trainingsbox mit nach Hause geschleppt und auch sonst keine Mühen gescheut, damit sich mir der Sinn des Ganzen erschließt.
Ich habe es allen und vor allem meinem Frauchen sicher nicht leicht gemacht.

Obwohl manche Träne geflossen ist, hatte mein Frauchen den längeren Atem und irgendwann, vielleicht weil ich halt doch auch älter und seriöser wurde, klickte es bei mir dann auch und die ganze Sache machte plötzlich riesigen Spaß!
Bereits 1999 legte ich meine erste Doppelprüfung in Trümmern und Fläche ab. Im Vergleich zu heute war das alles noch einfach. Ich musste nur 50m in der Breite suchen. Und auch nur eine Person. Also bitte!! Aber trotzdem waren wir zwei natürlich mächtig aufgeregt. Damals war ich fast genauso zappelig wie mein Frauchen. Das hat sich aber schon bei der zweiten Prüfung gelegt und ich kann sagen, dass ich während meinen immerhin 15 Prüfungen als souveräner, gewissenhafter und immer zuverlässiger „Golden“ glänzen konnte.

Das stinkt jetzt echt nach Eigenlob, aber ich habe sie alle oft sagen hören: “Reg dich nicht auf, der Rico macht das schon“, oder „Rico ist wie ein Uhrwerk“ und „Du hast es gut, der Rico läuft seine Prüfung ja alleine“. Tja, so war ich halt.
Und weil es dann so gut lief, haben die gedacht, na super, Herrchen bekommt auch einen Hund und tritt ebenfalls in die Hundestaffel ein.
Also holten sie im Frühjahr 2000 die kleine Tervuerenhündin Fleur. Die war vielleicht nervig. Was die alles angestellt hat und wie verfressen die war. Ich traute meinen Augen nicht, was da bei uns abging! Vier Jahre war ich der Chef im Haus und plötzlich taucht da so ein kleines ungezogenes Gör auf. Also habe ich meiner Familie geholfen, sie zu erziehen und auch in die Rettungshundearbeit einzuführen. Hat ganz gut geklappt und so sind wir dann alle gemeinsam zu den Übungen gefahren.

Nachdem ich zum Staffelopa herangewachsen war (was man in dieser Staffel schon mit 7 Jahren werden kann, da es an Rüden mächtig mangelt) und meine Sache ganz souverän und aus dem Handgelenk machte, haben wir manchmal auch ganz besondere Dinge ausprobiert. Bei einer längeren Suche habe ich mal Kerstin gefunden. Also habe ich gebellt, wie immer halt und da schrie die los, wie von der Tarantel gestochen. Sie war der Meinung, dass sie mich ruhig auf die Probe stellen kann, denn ich könnte ja mal jemanden finden, der Angst vor Hunden hat. Diesen Test habe ich auch sehr gut bestanden und seitdem haben wir das bei Vorführungen immer gerne gezeigt.

Letztes Jahr habe ich dann gemerkt, dass mein Frauchen sich verändert. Die war schwanger! Klein-Leonie kam dann ausgerechnet in der Nacht auf Welt, als ein Einsatz war und dann auch noch das Altstadtfest, wo ich immer ganz gerne hinging. Na ja, so ein Neugeborenes ist ja auch ganz interessant. Leonie hat sich richtig schön in unsere Familie eingegliedert, so dass wir auf gar nichts verzichten mussten. Das gehört sich aber auch so.
Meine Nachfolgerin Hailey habe ich ja schon 2005 kennen gelernt. Die junge Malinoishündin musste natürlich auch angelernt werden. Also auf ein Neues. Sie machte sich ganz gut in der Staffel und ich merkte auch schon langsam die normalen Alterszipperlein, so dass ich ihr meist gerne den Vortritt ließ. Ich habe dann Prioritäten gesetzt und nur noch Dinge gemacht, die mir auch wichtig waren.
Im August dieses Jahres ging es mir plötzlich gar nicht gut, so dass meine Familie mit mir ganz schnell nach Gießen gefahren ist. Auch wenn sie sich dort redlich bemüht haben, konnten sie mir leider nicht mehr helfen. Also haben sie mich friedlich einschlafen lassen.
Seitdem beobachte ich von hier oben mit kritischen Augen die Aktivitäten in der Hundestaffel und die Fortschritte von Hailey.

Und immer sind irgendwo Spuren deines Lebens, Gedanken, Bilder,
Augenblicke und Gefühle.
Sie werden uns stets an dich erinnern……………