
Emely wurde am 16.02.1999 geboren. Sie war kein einfach auszubildender Hund. Für Fremde hatte sie nichts übrig, für sie zählte nur ihre Familie. Wie sollte man diesen Hund zum Rettungshund ausbilden? Dieser Hund hatte ja keinerlei „Opferbindung“?
Und doch, Emely hat in ihrem ganzen Leben niemals ein Opfer verlassen, oder nicht angezeigt! Wie geht das?
Mit einer riesengroßen Portion Trieb!
Dieser Beutetrieb ließ auch mit dem Alter nicht im Geringsten nach. Und genau dieser Trieb ließ sie am Opfer verweilen und bellen, bis sie endlich ihren heiß geliebten Ball bekam, dauerte es auch fast eine Ewigkeit.

Zu Beginn der Ausbildung hielt sie teilweise über 5 Meter Abstand von diesen unbekannten Menschen im Wald. Sicherlich haben wir an Emely viel mehr gelernt, als sie durch uns! Trotz aller Komplikationen und gerade wegen dieser immensen Triebveranlagung bestand Emely schon ein halbes Jahr nach Eintritt in die Staffel ihre erste Rettungshundeprüfung. Sie selbst wäre auch nie durch eine gefallen, hätte Frauchen nicht bei einer Trümmerprüfung einen großen taktischen Fehler gemacht. So hatte Emely keine Chance das dritte Opfer zu finden.

Dies zeigt wie sorgfältig und vor allem zuverlässig Emely arbeitete. Noch höher einzuschätzen ist dies, bedenkt man die Tatsache, dass Emely offensichtlich unter einer sehr heftigen Form der Klaustrophobie litt. Dies in Zusammensetzung mit den Fahrten zur Übung und ihrer Autoabneigung ließen die Scheiben Sommer wie Winter im Auto von Innen feucht und wässrig werden. Das alles war aber egal, wenn sie sogleich eine Runde suchen konnte, oder Unterordnung oder auch Geräte laufen. Arbeiten war für Emely alles. Emely hatte den sprichwörtlichen „will to please“, für Frauchen würde sie durchs Feuer gehen, daran ließ sie nie einen Zweifel.

Privat war Emely eine Katze. Den ganzen Tag auf dem Schoß liegen, das Sofa belagern und nachts ins Bett kommen waren Privilegien auf die sie bis zu ihrem letzten Tag bestand. Während aber Frauchen und Herrchen schliefen, war sie trotz allem Komfort immer hellwach. Als in der gesamten Straße eingebrochen wurde, vertrieb sie den Einbrecher mit Geschrei und die Polizei lobte die tierische Alarmanlage. Dieser Schutztrieb rund um Emely´s Haus und Grundstück war nicht zu unterschätzen, außerhalb desselben war Emely jedoch lieb und geduldig. So besuchte sie auch einige Schulen und ließ sich von den Kindern problemlos anfassen und streicheln.

Emely hatte zwei Weggefährten. Bis zu ihrem 6. Lebensjahr war dies Bricole, eine Freundschaft, die sich auf gemeinsame Spaziergänge und seltenes miteinander spielen beschränkte. Die zweite Weggefährtin war Luise, die Emely bis zu ihrem Tod begleitete. Nach einem halben Jahr Eingewöhnungszeit, wurden die beiden echte Freunde. Luise ließ nie einen Zweifel an Emely´s Autorität und Emely ließ sich dafür immer öfter zu wilden Spielen hinreißen. In der Nacht vom 25. auf den 26. Januar mussten wir Emely mit einer Magendrehung und einem Milzriss in die Klinik bringen. Nach erst hoffnungsvollem Genesungsverlauf mussten wir sie dann am 29.01.2008 über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Ein schwerer Schlag für die ganze Familie…

Es gibt keine Treue, die nicht schon gebrochen wurde, ausgenommen die eines
wahrhaft treuen Hundes.
Konrad Lorenz